Review: Wirtz - Auf die Plätze, fertig, los (CD)


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Dieses Album ist eine NAMELESS-Empfehlung!

Bewertung:

SternSternSternSternSternSternSternSternSternStern

Band:

Wirtz

Album:

Auf die Plätze, fertig, los

Label:

Wirtz Musik

VÖ:

19.06.2015

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Schlagworte:

Daniel Wirtz, Review, Wirtz
So, meine Freunde! Ich freu mir den Arsch ab! Aber mal so richtig! Nach einer gefühlten Ewigkeit melde ich mich zurück mit einem (für mich persönlich sehr bedeutungsvollem) ersten Einblick in das nunmehr vierte Studioalbum von Daniel Wirtz, das den Titel „Auf die Plätze, fertig, los“ trägt. Dass er derzeit auf einem bekannten Fernsehsender läuft, möchte ich nur kurz erwähnen, denn was er bisher auf Platte gebracht hat ist für mich deutlich erwähnenswerter. Mit seinen bisherigen Veröffentlichungen „11 Zeugen“, „Erdling“, „Akustik Voodoo“ und seinem Akustik-Album „Unplugged“ lieferte uns der Ex-Sub7even Frontmann, der seither in deutscher Sprache singt, eine D.I.Y. Mischung aus groovigem Garage-Rock, melancholischen Balladen und düsterem Alternative-Rock vom Feinsten. Die Texte leben vor allem von ihrer Tiefgründigkeit, der ungeschönten Wahrheit, die man oft nicht aussprechen will. Wirtz macht Musik für das Herz und für die Seele. Er verarbeitet seine ganzen Gefühle und Lebenslagen, gibt vielen sensiblen und vernarbten Seelen ein akustisches Ventil. Seine Musik ist für viele auch ein Begleiter ins Erwachsenwerden, da er vor keiner Gefühlslage Halt macht.  Jetzt liegt sein neues Werk vor mir, das von Daniel selbst als sein bisher bestes Werk angekündigt wird. Er sagt: „Unser Unplugged-Ausflug hat die Wirtz-Festplatten kreativ formatiert. Es stand alles auf null, wir hatten wieder enorm Lust, richtig loszurocken – und dann sind die Ideen gesprudelt.“ Die letzte Rockplatte ist mittlerweile fast 4 Jahre her und in der Zwischenzeit ist viel passiert. Daniel ist unterwegs Vater geworden, was man auf dem Album auch heraus hören soll. Dieses trägt einen Namen, der nach umgewandelter positiver Energie klingt. Nach dem Motto: Ich habe aus der Scheiße, die mich runtergezogen hat, Kraft gewonnen und eben diese in Musik gepackt. Ich möchte mich darauf aber nicht festlegen. Der gute Daniel kann musikalisch unberechenbar sein. „Das Vatersein entkrampft den Blick. Dinge, die früher eine ungeheure Wichtigkeit hatten, kann man heute zwischen Windeln und Flaschen locker weglächeln. Man hat einfach nicht mehr die Zeit sich zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen… Auf alle Fälle gibt es diesmal eher permanent gute Laune zum gewohnt bösen Spiel“.  Ich werde das Rumgeblubber jetzt auch sein lassen, denn ich sitze hier schon echt auf heißen Kohlen. Also, auf Play gedrückt und los!

Auf die Plätze, fertig, los! – Der Titeltrack zuerst. Daniel hat recht, alles klingt wesentlich lockerer und geht leichter ins Ohr als das, was er bisher veröffentlicht hat. Es ist auch gebügelter und soundtechnisch ausgefeilter als sonst. Glattgebügelt hin oder her, Daniel bleibt sich selbst treu. Mir gefällts! Das akustische Gesamtbild klingt immer noch echt und Daniels Stimme geht voll rein. Die Gitarren verpassen der flotten Nummer einen starken Mix aus offenen Akkorden und Ohrwurm-Riffs. Der Text besteht aus konzentrierter positiver Kraft. Unterstrichen wird hier die starke Verbindung zu den Außenseitern dieser Welt. Ein geiler Einstieg!

Mantra – Das ist der Wirtz, den ich am meisten abfeier! Ein tragender, leicht orientalischer Rockteppich fliegt durch den Raum und lädt mich ein, mich drauf zu setzen und auf der beruhigenden Welle aus Akkorden und Drumming mitzufliegen.  Der Gesang lässt meine Armhaare hochstehen. Mich erinnert er hier ein bisschen an die Stimme von Phil Collins. Der Refrain ist ein totaler Ohrwurm. Der Text fesselt und hinterlässt ein Gefühl von innerem Frieden. Der Titel des Songs passt voll und ganz, denn Daniel erzählt uns von einer Erkenntnis, dass wenn es nicht gut ist, noch lange nicht das Ende ist. Die Messlatte wurde direkt übertroffen.

Regentropfen – Jetzt wird wieder etwas Gas gegeben! Eine Rocknummer, die einfach ganz leicht ins Ohr geht. Offene Akkorde, gleichmäßiges Schlagzeugspiel, Ohrwurmgesang. Ganz klassisch ohne viel Schnörkelei, einfach alles auf Punkt. Der Text ist eine kleine Herausforderung an den Hörer: „Aus welchem Holz bist Du geschnitzt?“ – Feines Ding.

Du fährst im Dunkeln – Der innere Schweinehund in ein grooviges Midtempo-Stück gepackt. Die Nummer geht Schnurgerade durch und wenn man sich auf den Text einlässt, ist er wie eine Standpauke, eine Rede ins Gewissen. Hältst Du ein, was Du Dir vornimmst oder kannst Du Deinen Süchten und der Gier nach Konsum doch wieder nicht entkommen? Starkes Ding!

Aus Versehen – Man kennt das: die Beziehung ist schon lange her, die Trennung war vor ‘ner gefühlten Ewigkeit. Trotzdem hat diese irgendwas in den Synapsen beschädigt. Nach einer Depression hat man irgendwann gelernt, damit klar zu kommen, bzw. sich damit zu arrangieren. Man geht durch den Tag, denkt sich nix böses und Zack! Hirnfick! Die alte Liebe fällt einem wie aus dem Nichts wieder ein und mit ihr/ihm auch sämtliche Gefühlslagen, die damals durchlebt worden sind. Der Klassiker. Das musikalisch festzuhalten ist eine Meisterleistung. Für mich ist das der Höhepunkt des Albums! Also echt, ey! Nee, wirklich, find ich Mega, die Nummer! Muss ich jetzt auch erst noch zig Mal hintereinander hören.

Wir – Daniel bezieht sich mittels einer groovigen Rockhymne noch einmal auf die Außenseiter dieser Welt, den Introvertierten, melancholischen und vom Leben geprägten Menschen, die sich eher zurückhalten, anstatt sich in den Mittelpunkt zu stellen. So verletzlich und schwach sie doch auch wirken mögen, sie bleiben standhaft und sind einfach nicht platt zu kriegen. „Wir bleiben hier!“ singt er im Refrain stellvertretend für alle eben genannten Seelen. Starkes Songwriting, starke Nummer!

Viel Glück – Wie wir alle wissen, wenn ein Mensch sich nach gewissen Lektionen gelernt hat, wird er den ein oder anderen Weg nicht mehr gehen, er wird seinen eigenen Weg gehen und nicht mehr abweichen. Das Thema ist das Gleiche, wie bei „Wir“, doch bezieht sich auf jene, die bereits ihre Schlüsse im Leben gezogen, aus allem gelernt und sich für ihren individuellen Lebensweg entschieden haben. An diesem Punkt gibt es kein Zurück mehr und alles, was man dann noch tun kann ist, ihnen alles Gute und viel Glück zu wünschen. Genau dies macht Daniel in diesem Song und gibt noch ein paar gute Ratschläge und Erkenntnisse weiter. Das Songwriting ist wieder stark, die Instrumentalfraktion gewohnt erstligareif!

Freitag Abend – Eine ganz lockere Rocknummer, die sehr leicht ins Ohr geht, spricht vom grauen Alltag und dem ersehnten Wochenende in der Ich-Perspektive. Ideal, um das Wochenende einzuleiten. Feines Ding, das gar nicht viele Worte benötigt.

Ich weiß es nicht – Das Wochenende ist vorbei, der Kater groß und der Filmriss kann einiges. Alles, was Du noch weißt: dass Du eigentlich schon gehen wolltest, doch Dir ein Kumpel irgendwas ins Getränk getan hat. Letztendlich wurde aus dem Willen, nach Hause zu gehen ein Exzess allererster Güte. Du wachst auf. Du bist total weggeschädelt und Dein Schatz will wissen, wo Du warst. Aber Du kannst das nicht erzählen, weil Du Dich einfach nicht erinnerst. Bereust Du es? Entscheide selbst!
Das alles packt Daniel in eine straighte, fetzige Rocknummer und ich habe den Eindruck, dass er breit grinsend in der Gesangskabine gestanden haben muss. Richtig cooler, witziger und wirklich ehrlicher Song, der vor allem auch eines klar macht: Mach Dir nicht so den Kopf, das ist nicht so schlimm wie Du es Dir gerade machst, aber pass bitte auf, wem Du vertraust. Eventuell könntest Du im Drogendelirium enden, weil Dir was ins Getränk getan wurde und das kann unter Umständen nicht so gut ausgehen, wie in diesem Song.

Wenn Du willst – Eine Liebeserklärung in eine schnelle Rocknummer gepackt. Ich meine, hier seine Beziehung zu seiner Partnerin und zu seinem Kind heraus zu hören. Daniel spricht davon, alles zu tun, sofern er/sie es nur will, weil er sie/ihn liebt. In den Strophen zählt er alles Mögliche auf und zum Teil ist das wirklich berührend, zum anderen Teil ist das wirklich lustig und bringt einen echt zum Kichern. Eine starke, sehr herzliche Rocknummer mit einem genau so herzlichen zwinkernden Auge. Einfach toll! Wieder einmal positive Kraft in ein Lied gebündelt.

Sehnsucht – Ach Daniel, Du weißt einfach genau, was ich fühle und denke. Vielleicht, weil wir uns ähnlich sind, vielleicht weil Du weißt, wie man ein riesiges Gefühl allen verständlich macht. Ich weiß nicht, wie Du das immer schaffst, aber das hat einfach was Magisches. Sehnsucht hat so viele Facetten, dass wir manchmal gar nicht wissen, was wir überhaupt vermissen oder uns wünschen. Fest steht „Sehnsucht geht nie ganz“ und genau dieses Gefühl ist in eine groovige Midtemponummer gebündelt worden. Ganz großes Kino!

Das nächste Mal – Das (leider) letzte Lied des Albums ist eine Ballade. Tröstende und aufbauende Worte für alle, die für etwas alles gegeben und trotzdem verloren haben. Hier bekommt man das Gefühl, dass es keinen Grund gibt, nach einer Niederlage den Kopf in den Sand zu stecken, weil es immer ein nächstes Mal gibt. Dass die Welt sich dreht, ist der Vorteil daran. So endet ein grandioses Album mit dem Gefühl neuen Mutes. Großartig!

So, meine Freunde, das war es mit „Auf die Plätze, fertig, los!“. 4 Jahre Wartezeit auf das nächste laute Album hat sich für mich absolut gelohnt! Meine Erwartung wurde in jedem Punkt übertroffen. Als ich Wirtz kennen lernte, fühlte ich mich nach dem ersten gehörten Song schon zu Hause. Seine Alben haben mir in der schwersten Zeit meines Lebens am Meisten geholfen, mir Trost geschenkt, mich viele Dinge viel besser verstehen lassen und mir letztendlich den Mut dazu gegeben, wieder von vorne anzufangen, wieder Musik zu machen und neue Freunde und Ziele zu finden. Ist das gelungen? JA! Derzeit befinde ich mich in der ziemlich schönsten Zeit meines Lebens und habe die besten Freunde, die ich jemals hatte! Selbst das enge Verhältnis zu meiner Familie ist durch Wirtz ein gutes Stück intensiver geworden. Wie oft hab ich mit meiner Mutter vor den Boxen gesessen, Wirtz gehört und mit ihr über einfach alles reden können was gewesen ist und was ich zu der Zeit fühlte. Sie konnte mich danach viel besser verstehen – das war ein Schlüsselerlebnis. Sorry, dass ich jetzt gerade so persönlich werde, aber das musste jetzt einfach raus. Ich sage ganz klar, dass ich ohne die Musik von Daniel Wirtz nicht dazu in der Lage gewesen wäre, neu anzufangen und diesen Weg bis hierhin zu gehen. Ich weiß, dass das hochgestochen klingt, aber das ist nun mal die Wahrheit. Dieses Review kann als schwergewichtiges Dankeschön verstanden werden, für die Begleitung in dunklen Tagen, für neu gewonnenen Lebensmut, letztendlich für ein Stück erwachsenwerden. Dieses Album wird, wie alle anderen Wirtz Platten, ein fester Teil meiner All time Favoriten sein, so viel steht fest!
Dieses Album kann man getrost jedem empfehlen. Das ist Musik für Omma und Oppa, Mama und Papa, für Rocker, für Popper, für Rapper – ja sogar ein eingefleischter Deathmetal oder Techno Fan wird sicherlich einen Song finden, den er sich heimlich anhört. Ich bedanke mich fürs Lesen, es hat sehr viel Spaß gemacht, dieses Review zu schreiben. Bis bald, meine lieben!
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Veröffentlicht von am um 16:13 Uhr unter Reviews

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Bandinfo: Wirtz

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