Konzertbericht: 11. ÖTTENACHT


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einfachWir, Johnny & the Hotrods, Konzertbericht, KuB, Kurz und Bündig, Ötte und Band, Ötteband, Öttenacht

Wenn alte Männer Geburtstag feiern....Dann gibt es was auf die Ohren, dann wird es ein feucht fröhlicher Abend. Erst recht wenn der Neusser Kultrocker Christian Otte wieder auf die Kacke haut und gleichzeitig zu seiner bereits elften Öttenacht ruft.
Nach ein paar Jahren Pause dieses mal in der neu aufgemachten Wetthalle in Neuss. Sehr schicke Location in der locker 800 Menschen rein passen und in welcher bald wohl auch mehr passieren soll in Sachen Konzerte. Wenn ich das richtig verstanden habe hat wohl jetzt Titschy seine Hände im Spiel. Ein schmaler Kerl der in Neuss immer schon zuständig war für gute Punkrock Shows und allerlei Straßenköter Prominenz in das gute alte Geschwister Scholl Haus holte.  

Bei unserer Ankunft dachten wir erst nur „Oh mein Gott“! Stand da ein Alleinunterhalter auf der Bühne und sang irgendwelche Ballermann Lieder. Na das kann ja was werden. Wiederrum passt es irgendwie zu einer Ötte Veranstaltung. Durchgeknallte Menschen machen durchgeknallte Sachen. Etwas was aber nicht negativ zu werten ist. Hebe meinen Hut vor dem Mann der einfach unermüdlich immer sein Ding durchzieht und mehr DIY ist als jeder zweite der nur schreit aber nichts dafür macht seine Träume zu leben. Investiert viel Herzblut und Geld in seine Musik. Man kann von ihm halten was man will. Aber Fakt ist - er lebt für die Musik.

Als erste Band des Abends mal wieder Kurz und Bündig. Verfolgen mich ja langsam oder doch ich sie? Jedenfalls war es totaler Klassenunterschied zu dem Konzert letzte Woche im Sojus. Schon allein vom Sound her. Sie schienen aber mit den optimaleren Bedingungen auch einfach besser klar zu kommen. Zauberten ein feines Konzert auf die Bretter und schafften es das Publikum auf ihre Seite zu bekommen. Haben da etwa welche meine Kritik angenommen? Denn auch der Opener wurde wieder getauscht. Wenn ein Bandvorstellungslied gespielt wird sollte der auch an den Anfang und sonst nirgends. Kurz und Bündig hatten riesigen Spaß auf der Bühne. Diesen hat man ihnen angesehen und diesen haben sie auf das Publikum übertragen. Es hätten mehr Leute sein können in so einer großen Halle. War noch reichlich Platz. Vor allem vor der Bühne war der berühmte Anfangskreis. Trotzdem habe ich viele strahlende Gesichter gesehen. Hat heute richtig Spaß gemacht zuzuhören und hinzusehen. Fast schon süß fand ich die Szene als sie ihren wohl größten Fan mal an das Mikro ließen. Da waren seine 5 Minuten Ruhm die er bestimmt nicht so schnell vergessen wird. Nach der geforderten Zugabe war dann aber Schluss und es gingen 4 sichtlich zufriedene Männer von der Bühne. Es geht doch...

Als nächstes stand nun etwas ganz anderes auf den Plan. Mit einfachWIR wurde es um einiges ruhiger. 2 Akustikklampfen, Cajon und Ötte Nachwuchs am Gesang. Da tritt dann wohl sein 21 jähriger Sohn in die Fußstapfen des Daddy´s und versucht sich als Sänger. Alles richtig gemacht. Die ersten 20 Minuten von einfachWIR haben mir auch richtig gut gefallen. Musikalisch wirklich Top irgendwo in der Songwriter Pop Liga angesiedelt. Schon eher Musik für schmachtende Mädchen, diese aber wirklich auf einem guten hörbaren Niveau. Ich steh hin und wieder ja auch auf ruhige Klänge. Wer weiß, wer weiß, was der Vater nicht schaffte holt sich vielleicht der Sohnemann. Irgendwann wurde es dann aber doch sehr langatmig bis langweilig. Ist halt ein gewagter Stilbruch die Leute erst mit Punkrock anzuheizen und diese dann wieder runter holen. Hat was von einem schlechten Drogentrip. Hatte halt irgendwann so eine KÖNNT IHR BITTE MAL GEHEN JETZT Stimmung morgens um 5. Womit ich die Band an sich aber keinesfalls runter machen will. Was die machen, machen sie qualitativ wirklich gut. Hat schon seine Gründe warum sie von Udo Lindenberg eingeladen wurden. Hat sich halt irgendwann nur gezogen. Würde mich aber nicht wundern wenn man bald um einiges mehr von einfachWIR hören würde.

Nach dem Junior dann schließlich der Senior. Ötte und Band (nicht Ötteband) begannen ihre Party. Und das trifft es eigentlich wieder am besten. Das Konzert war eine feine Party. Ötte weiß wie man Leute animiert. Er ist Vollblut Entertainer der vollkommen Schmerzfrei ist wenn er auf der Bühne steht. Es gab wieder das volle Programm von ihm. "Ich will eure Hände sehen". Ein Spruch der auf jedes Ötte Wahlplakat gehört. Das ist war und bleibt sein Spruch. Zieht es aber dann auch so lange durch bis wirklich der letzte Langweiler anfängt zu klatschen. Es gab viel neues Material von der aktuellen CD "Bonjour Tristesse" aber auch alte Ötteband Klassiker ala "Wie einst im Mai". Auch das Fortuna Projekt Flankengott bekam seinen Platz. Zusammen mit Fortuna DJ Opa wurde der geilste Club der Welt besungen. Nicht wirklich textsicher aber definitiv Entertainment. Wenn ich das volle Programm sage durften natürlich auch Cover Stücke nicht fehlen. Westerland und Sportfreunde Stiller kannte dann schließlich jeder. Inzwischen hat sich die Menge auch von hinten nach vorne verlagert.  Mag vielleicht alles einen Ü40 Bierzelt Charme haben für den einen. Irgendwie schaffen sie es aber doch das man dieses Gefühl eben doch nicht bekommt sondern einfach mitfeiert mit einem wirklich bunten Publikum. Ganz großes Lob an den Bassmann der vorher noch nie geprobt hat und da stand als hätte er Jahre mit den anderen gespielt. Musiker wie er im Buche steht. Wie eigentlich die ganze Band um Ötte herum. Daher kamen auch immer wieder geile Improvisationen zustande. Gitarrist Amadeus Sektas (der heißt wirklich so) ist ja auch so ein totaler Freak an den sechs Saiten oder nennen wir es einfach hoch professionell. Zu guter letzt kam ich dann auch nicht drum herum auf die Bühne zu gehen beim großen Finale.

Es hat mal wieder Spaß gemacht sich Max und Band (kleiner Insider) zu geben. Nur bitte Ötte, demnächst das Shirt eine Nummer größer nehmen. Aus dem bauchfrei Alter ist der gute dann doch raus, soviel jugendlichen Charme er auch versprüht. Eines weiß ich jetzt auch wieder. Warum man Ötte einmal als geilste der Frau besungen hat. Kenne kaum einen der mehr auf der Bühne redet als er. Der Mann kann aber auch erzählen. Das schlimme ist das es sogar Spaß macht ihm zu lauschen und zu beobachten. Ist eben kein einstudierter 08/15 Scheiß sondern einfach ehrliche Empfindungen in dem Moment. Und wenn es Schwachsinn ist. Ötte ist Ötte. So muss der sein und so muss er bleiben denn so wollen wir ihn letztlich sehen und wer ihn nicht mag soll es lassen. Gute ehrliche authentische Show.

Den Abschluss machten dann noch Johnny & The Hotrods. Genau das wonach es klingt. Guter alter traditioneller RocknRoll. Kontrabass, Westerngitarre, Tolle, Elvis und Johnny Cash. Alles gesagt oder? Kann mir vorstellen das diese Band gerade auf Genretypischen Events eine große Nummer ist. Bin da nicht wirklich drin und habe keinen Plan über diese Schublade. Mögen es einige als Bildungslücke bezeichnen. Leider langweilt mich persönlich dieser oldschool RocknRoll auch irgendwann. Das ist aber dann wirklich eine reine Geschmackssache und sagt nichts über Qualität aus. Denn eben diese war vorhanden. Das sah ein ungeschultes Auge und hörte ein ungeschultes Ohr.

Alles im allen war das doch ein wirklich bunter Abend. Ist halt immer schwer 4 komplett unterschiedliche Band unterzubringen. Ich stehe auf solche Sachen womit man heute aber doch eher eine Minderheit ist weil viel zu viele Schubladen in einen Stecken. Aua. Jede der Band hatte Qualität. Jeder auf ihre Weise. Jedenfalls bekam man für wenig Geld gute Musik zu hören. Der Rest ist reine Geschmackssache. Nur dieser Biermarkenkaufschwachsinn nervte mich.. :-)

Veröffentlicht von am um 10:21 Uhr unter Konzerte

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